Geschichte

Das Kino befindet sich in einem viergeschossigen Eckbau. Eine Längs- und eine Breitfassade des Theaters ziert je ein farbiger Blendbogen. Schon 1923 zahlte sich es sich aus, dass man auch seidenbestrumpfte Damenbeine zeigte. Unter dem Deckmantel der „Aufklärung“ Schielte ein Teil der Branche auf zarte Hände und schlanke Fesseln hübscher Filmschauspielerinnen . Allenfalls im Kulturfilm war bereits ein blanker Busen (irgendeiner fernen Südsee- oder Afrikabewohnerin) zu sehen. Weiter, hätte man in jener Zeit, als „Sex“ für alle Zürcher einzig die Zahl zwischen fünf und sieben war niemals gehen können.zumindest aber diente die fettgedruckte Zeile „Nur für Erwachsene über 18 Jahrenals Lockvogel für leicht sündige Genüsse und das Kino Roland setzte darunter zum Film „Die Hygiene der Ehe“ den aufklärenden Text „Niemand versäume diese wertvolle Aufklärung über Dinge, die uns allem Ledige und Verheiratete, gleichermassen angehen.“ Würde man in diesem Film allenfalls das sehen, was ein gewisser Dr. van der Velde eben in einem Buch veröffentlicht hat? Schockierend! Darum ging man hin.

Das Kino Roland gehörte einer jüdischen Familie und wurde in der Zeit des zweiten Weltkriegs verkauft, weil sie es nicht übers Herz brachten die Art von Filmen zu zeigen, die damals auf den Markt kamen, vor allem die deutschen Propagandafilme.

In den 50/60er Jahren wurde aus dem Arbeiterviertel mit schon vielen Italienern ein Italienerviertel. Aus dem Roland wurde eine Revolverküche, Italienerkino. 1978/79 entstand so das erste Pornokino. Was war der Unterschied zum Sexkino? Der Betreiber kaufte in Amerika Pornofilme auf 35 mm und schnitt sie so, dass sie ganz knapp dem Gesetze nachkamen aber schon bedeutend mehr zeigten als zum Beispiel Emanuelle oder die Erwin C. Dietrich Filme mit Ingrid Steger. Es entstanden dann auch die ersten europäischen Pornofilme wie die Josefine Mutzenbacher und ein paar goldige Jahre brachen an. Obwohl der erste Teil der Josefine Mutzenbacher massiv geschnitten war, hing das Ausverkauft Schild die ersten drei Tage der Laufzeit an der Kinoeingangstür, einer raus, einer rein. Es wurde gegröhlt und gelacht, reinste Bierzelt Athmosphäre. Das Roland ist immer noch in Betrieb.

Peter Preissle, 2007